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CHITTAGONG- Schlachthof der Schiffe

Interview mit dem Fotografen Christian Faesecke
Ausstellung vom 24. Mai bis 15. Juni 2019 Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 13-18 Uhr Vernissage am 24. Mai 2019 um 17 Uhr

Chittagong, Bangladesch ist eines der Zentren der Schiffsabwrackindustrie weltweit. Auf einem kilometerlangen Strandabschnitt werden Hochseeschiffe aus aller Welt in ihre Einzelteile zerlegt – mit kaum technischen Hilfsmitteln und unter widrigen Bedingungen für Mensch und Umwelt.

Christan Faesecke, der hauptberuflich eigentlich Beinprotesen herstellt, ist insgesamt dreimal in den letzten fünf Jahren nach Bangladesch gereist und hat mit seiner Fotokamera dokumentiert, was er in den Abwrackwerften gesehen hat.

Redaktion: Christian, wie bist Du auf das Thema Deiner Ausstellung gestoßen und was hat Dich fasziniert?

Christian Faesecke: Über das Abwracken von Schiffen an Stränden habe ich das erste Mal in dem Film „Workingsman´s Death“ von Michael Glawogger aus dem Jahre 2005 erfahren. Das hat mich so sehr fasziniert, dass ich einige Jahre später nach Chittagong gefahren bin, um mir diese absurde Situation selber anzuschauen. Wie die riesigen Containerfrachter da einfach auf dem Strand liegen und Stück für Stück auseinander genommen werden ist ein ziemlich beeindruckender Anblick, der mich nie ganz losgelassen hat.
Als ich dort war, hat mich am meisten die Dimension beeindruckt – dieser 15 Kilometer lange Strand auf dem zwischen 150 und 200 Schiffswracks in allen Abwrackstadien liegen und die vielen Arbeiter, die unentwegt barfuß durch den knietiefen Matschstrand waten müssen, der voll von scharfkantigen Metallstücken und Ölresten ist.

Redaktion: Wie bist Du zum Fotografieren gekommen und was ist für Dich das Besondere an diesem Hobby?

Christian F.: Eine Fotokamera war schon früh mein ständiger Begleiter auf meinen Reisen. Als ich mit 15 Jahren für ein halbes Jahr nach Mexico City gegangen bin, habe ich angefangen die Stadt durch meine Linse zu entdecken. Inzwischen eröffnet mir meine Kamera immer wieder neue Länder und führt mich in Situationen, in die ich sonst nie gekommen wäre.

Redaktion: Was möchtest Du mit der Ausstellung und Deiner Dokumentationsarbeit bewirken?

Christian F.: Natürlich will ich mit meinen Fotos die Welt verändern. Wenn das nicht auf Anhieb klappt, dann möchte ich wenigstens etwas Bewusstsein über ein Thema schaffen. Oder zumindest mal zum Nachdenken anregen, wo zum Beispiel unser Leder herkommt, oder was eben mit all diesen alten Containerfrachtern passiert, nachdem sie ihr Leben über die Ozeane geschippert sind. Alles hat seinen Preis, und oftmals sind wir nicht diejenigen die ihn zahlen, sondern die Umwelt oder die Menschen in den Entwicklungsländern mit ihrer Gesundheit oder sogar ihrem Leben.
Ich erhoffe mir von so einer Ausstellung mehr Aufmerksamkeit für die Zusammenhänge dieser globalen Verwertungskette: genau wie unser Elektroschrott werden auch die aussortierten Containerschiffe in Entwicklungsländern entsorgt. Die Leidtragenden sind dabei die Arbeiter vor Ort, die für Billiglöhne, ohne ausreichenden Arbeitsschutz und unter ständiger Gefahr für Leib und Leben diese Arbeit verrichten, sowie die Natur, die noch Jahrzehnte unter dieser anhaltenden Umweltkatastrophe zu leiden hat. Unser Reichtum fußt nach wie vor auf dem Raubbau, der in diesen Entwicklungsländern stattfindet.

Redaktion: Wie könnte, Deiner Meinung nach, die Situation für Mensch und Umwelt vor Ort verbessert werden?

Christian F.: Die internationalen Reeder müssten endlich mehr in die Verantwortung genommen werden, was die Abwrackung ihrer Schiffe betrifft. Internationale Abmachungen müssen her, die genau diese weitere Verwertung der Schiffe regelt. In Ansätzen gibt es solche Vereinbarungen, aber es scheint nahezu unmöglich das alle betreffenden Staaten dabei an einem Strang ziehen werden. Es ist nach wie vor ein lohnendes Geschäftsmodell für manche Staaten genau dabei nicht mit zu machen. Und genau so wenig wie in Deutschland AutomobilFirmen für ihre verschuldete Verschmutzung sanktioniert werden, traut sich die Regierung Bangladeschs nicht die Abwrackfirmen für die entstandene Umweltkatastrophe verantwortlich zu machen.

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