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Erlebnis Pilgern – Zwei Bewohner_innen aus der Ökumenischen Hausgemeinschaft auf dem Jakobsweg

von Hannah Rosenfeld und Marius van Hoogstraten

Sechs Wochen ist es jetzt her, dass wir erschöpft und euphorisch in Santiago de Compostela ankamen. 640 Kilometer hatten wir in den 30 Tagen davor zu Fuß hinter uns gebracht, bei gutem und schlechtem Wetter, alleine und umgeben von anderen Pilgern, auf wunderschönen, schwierigen und gelegentlich auch einfach sehr langen Wegen. Blasen hatten wir kaum, dafür Sehnenentzündungen und eine Lebensmittelvergiftung.

Es hätten eigentlich 800 Kilometer sein sollen, aber unsere Beine protestierten nach der ersten Woche so heftig gegen die ungewohnte tägliche Belastung, dass wir unser Tagespensum deutlich reduzieren und einen Teil von dem Weg auslassen mussten. Jetzt denken wir: Ach ja, auch so war es schön, anstrengend und weit. Aber damals fiel es uns nicht leicht, festzustellen, dass wir langsamer machen mussten, weil wir einfach an eine Grenze stießen. Und so ging es vielen Pilgern, die mit Verletzungen kämpften: Wir waren vielleicht auf diesem Weg, um etwas von den Zwängen der modernen Welt zurückzulassen, aber wir hatten unsere eigenen Zwänge einfach mitgebracht.

Menschen fragen uns seitdem gelegentlich, ob wir zu einer tiefen spirituellen Einsicht gekommen sind. Die Antwort darauf ist meistens nein — das heißt, wir sind zur Einsicht gekommen, dass wir es (immer noch) schön finden, zu wandern. Und dass wir es (immer noch) miteinander gut aushalten. Aber tiefe spirituelle Erfahrungen, wie manche Pilger, die wir kennenlernten, berichten, haben wir nicht gemacht.
Gleichzeitig ist das vielleicht auch schon eine Einsicht. Wir hatten eine Reise erwartet, erfüllt von intensiven Erlebnissen und tiefen Gedanken. Aber stattdessen genossen wir vielmehr die Abwesenheit von tiefen Gedanken oder intensiven Erlebnissen. Den ganzen Tag unterwegs zu sein, und nicht viel anderes am Kopf zu haben als: sollen wir jetzt Pause machen, oder erst im nächsten Dorf? Hast du schon Hunger? Haben wir genügend Wasser dabei? Können wir in der Herberge auch Wäsche waschen? Vielleicht ist das ja die tiefe Einsicht: Dass das Leben nicht schnell sein muss (die Tagesleistung nicht übermäßig), das Essen nicht abwechslungsreich, und die Kleider nicht jeden Tag neu. Dass wir bei dem einfachen Leben, wenn wir uns nach einem langen Tag auf dem Weg im Schlafanzug um einen Tisch mit anderen Pilgern aus der ganzen Welt um eine einfache Mahlzeit versammeln, vielleicht schon ganz nah kommen an das Leben, für das wir geschaffen wurden.

Wer unseren Autor_innen  Fragen zu ihren Erfahrungen auf dem Pilgerweg stellen möchte, der/die sende ein E-Mal an: info@oefh.de

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