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#trotzdemnah

Interview mit Dominik Elmer, Infopoint Kirchen. Offener Himmel – Ökumenische Citypastoralstelle der Kirchen von Salzburg

Kirche zu Corona-Zeiten in Salzburg

Kürzlich landete im Forums-Briefkasten eine kleine swimmingpoolfarbene Broschüre: „Hallo Leben“ und #trotzdemnah steht drauf. Diese erfrischende Farbe, ein Palmwedel und ein paar kleine weiße Wölkchen – man denkt spontan an Urlaub. Und ein bisschen ist es das auch: Urlaub vom Corona-Alltag. Unten in den Links gelangt Ihr dorthin. Ihr findet darin Ideen für zu Hause – basteln, kochen, beten und noch Einiges mehr. Herausgeber ist der Offene Himmel – Infopoint Kirchen, eine Einrichtung der Erzdiözese Salzburg in Zusammenarbeit mit den Kirchen im Ökumenischen Arbeitskreis Salzburg. Wir waren gespannt, was dahintersteckt und haben mit Dominik Elmer gesprochen, der seit 2017 dieses Projekt leitet.

Herr Elmer,  was hat es mit dem Infopoint Kirchen – Offener Himmel auf sich?

Die Citypastoralstelle Offener Himmel in Salzburg befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Salzburger Dom. Wir sind eine ökumenische Citypastoralstelle und als solche haben wir zwei Ausrichtungen. Zum einen sind wir in der „Touristenmeile“ Anlaufstelle für Fragen rund um die Kirchen, Kirchenmusik und Gottesdienste und zum anderen sind wir Ausgangspunkt einiger ökumenischer Projekte (z.B. TrauerRaum, Songcontest im Einkaufszentrum nach dem Motto „Liebe deinen Nächsten, auch wenn er singt“, Sext in the city, Fuckup nights für Startups…).
Zeichen der Zeit erkennen und beherzt in ein Projekt verwandeln und so mit „Menschen guten Willens“ darüber ins Gespräch zu kommen, das ist Kernauftrag des Offenen Himmels. „So haben Sie Kirche noch nicht erlebt…“, ist das Motto des Offenen Himmels. In der Corona Zeit hat dieses Motto eine neue Bedeutung gewonnen, denn wir stehen vor der Situation, dass Kirche gezwungen ist neue Wege zu finden und zu erfinden.
Mir ist klar: Kirche lebt von Nähe, und zum Schutz aller braucht es „Social“ oder besser gesagt „Physical“ Distancing. Aber wie können wir als Kirche dann nahe sein?

Projekt #trotzdemnah: Wie kam es dazu und was bieten Sie dort an?

Unter der Dachmarke #trotzdemnah wurden am Freitag, den 13.3. innerhalb kürzester Zeit neue Projekte vereint, die neue Wege und Formate von kirchlichen Angeboten sichtbar machen sollten. Schon am Dienstag darauf war die Homepage online. „Trotzdem“, das beinhaltet die christliche Hoffnung, die nicht nur zu Ostern verkündet wird. Leben trotz Tod, Freiheit trotz Ausgangsbeschränkung und Nähe trotz Social Distancing. Drei Hauptrichtungen wurden eingeschlagen, die Menschen zu erreichen. Sozial-diakonale Projekte (Sorgentelefon, ArMut teilen), Massenmedien (Broschüre in den Salzburger Nachrichten, Antenne Salzburg) und #trotzdem… Daraus entstanden Formate zu #trotzdemostern #trotzdemeierpecken #trotzdemsonntag.

Die sozial-diakonale Verantwortung war uns wichtig und so konnten wir innerhalb kürzester Zeit ein zusätzliches Sorgentelefon einrichten, an dem sich über 80 Seelsorger*innen beteiligen und Zeit für entlastende Gespräche haben sowie eine zusätzliche Lebensmittelausgabestelle in der Stadt, bei der man auch Handyladebons bekommt. Wir standen nämlich seitens der Kirche vor der Herausforderung, dass viele Lebensmittelausgabestellen zusperren mussten.

Erzählen Sie uns mehr über das oben genannte Heftchen „Hallo Leben“?

Ein weiterer Weg, Menschen zu erreichen war eine Kooperation mit den Salzburger Nachrichten. Da wir vom Offenen Himmel seit vielen Jahren rund um Weihnachten mit den Salzburger Nachrichten eine Broschüre für den Heiligen Abend mit Weihnachtsliedern, Texten, Rezepten und dem Weihnachtsevangelium herausgeben, war es mir wichtig, dieses Medium zu nutzen. Es sollte eine Broschüre entstehen, die neben Rezepten und Bastelanleitungen spirituelle Impulse für diese erste Zeit der Unsicherheit bietet. Mit der Geschichte der Arche Noah und dem Bild der Sintflut war ein guter Rahmen gesteckt. Das Wasser, das bis zum Hals steht, kein Ausweg, eingesperrt als Familie mit Kind und Kegel auf engstem Raum. Aber dann das hoffnungsvolle Bild der Taube, die den Ölzweig im Schnabel bringt, mit der zuversichtlichen Botschaft: Alles wird gut. Da ist Aussicht auf festen Boden unter den Füßen.

Mit Antenne Salzburg, dem lokalen Radiosender, war ein weiteres spannendes Projekt möglich. Theolog*innen haben in der Karwoche und rund um Ostern Songs anmoderiert und einen kurzen Impuls dazu geliefert. In 40-60 Sekunden kann man einiges auf den Punkt bringen. Aus dieser Kooperation hat sich ein Gewinnspiel auf Antenne ergeben. Unser Erzbischof hat 10 Osterfrühstückskörbe mit allem, was an Ostern am Frühstückstisch nicht fehlen darf samt Grußkarte verlost.

Was kann Kirche in diesen schwierigen Zeiten für die Menschen tun? Was brauchen sie in diesen Zeiten?

In Österreich wie in Deutschland schrecken mich die Arbeitslosenzahlen und die dahinterliegenden Schicksale. Wie wirkt sich Kurzarbeit auf die Menschen aus? Kirche darf hier nicht warten, bis die Menschen zur Kirche kommen, sondern muss jetzt Zeichen der Hoffnung und Zukunft setzten. Da sind wir Dienstleister – denn eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts, sagte einmal ein französischer Bischof.

Impulse und Ideen für die Kirche von morgen – was denken Sie darüber und welche Ideen haben Sie persönlich dazu?

Die Krise zeigt sehr klar, was funktioniert und wo es schon vorher Sand im Getriebe gab. Jetzt sehen wir umso deutlicher, was wir vor Corona noch nicht klar für uns hatten. Im Privaten, im Beruflichen und auch in der Kirche. Was ist eigentlich Kirche-Sein, wenn es keine Gottesdienste gibt? Was bleibt dann … ?  Was ist unser Auftrag? Wo sind wir jetzt besonders gefordert, da zu sein? Wer erwartet jetzt etwas von Kirche und wird nicht gehört?

Wenn Sie mich nach meiner Idee fragen, dann kann ich nur auf ein Projekt verweisen, das neue Wege aufgetan hat. Wir haben in einem Haus der Diözese Platz für einen Coworking Space gemacht. Auf 130qm sind Büroplätze samt Infrastruktur, an denen Startups arbeiten und sich vernetzen können. Wir stellen diesen Startups den Raum gratis zur Verfügung und sind für Begleitung und Gespräche da. Aber dazu erzähl ich ein anderes Mal 😊

Dominik Elmer ist studierter Theologe und gelernter Bürokaufmann. Seit 2017 leitet er die Citypastoralstelle „Offener Himmel – Infopoint Kirchen“ in Salzburg und ist in der Erzdiözese Salzburg für das Referat Stadtpastoral zuständig. Wir danken ihm herzlich für das Interview!

Weiterführende Links:

Heft „Hallo Leben“

Portal „#trotzdem nah – Kirche bei Dir zuhaus“

Website vom Projekt „Offener Himmel – Infopoint Kirchen“

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